Grußwort des Bürgermeisters der Stadt Bleicherode zum 5jähren Bestehen des Wohn- und Therapiezentrums für autistische Menschen, Internationales Bildungs- und Sozialwerk, Haus Waldschlösschen in Bleicherode
Sehr geehrte Damen und Herren,
es ist mir eine Freude, zur offiziellen Jubiläumsveranstaltung zum 5jährigen Bestehen des Wohn- und Therapiezentrums für autistische Menschen, Haus Waldschlösschen, im Namen der Stadt Bleicherode recht herzlich gratulieren.
Die Integration der Menschen mit Behinderung in unsere Gesellschaft ist eine wichtige politische und gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Behindertenpolitik der letzten Jahre in Deutschland hat die Weichen gestellt für eine umfassende Teilhabe behinderter Menschen an unserem Leben. Der Freistaat Thüringen misst den Belangen unserer behinderten Mitbürgerinnen und Mitbürger einen hohen Stellenwert bei. Das Ziel der Bemühungen unserer Landesregierung in der Behindertenhilfe ist es, jedem Betroffenen die in seiner Situation notwendige individuelle Förderung zu ermögliche, denn behinderte Menschen gehören nicht an den Rand der Gesellschaft, sondern in deren Mitte.
Auch ich als Bürgermeister von Bleicherode setzte mich im Rahmen meiner Möglichkeiten dafür ein, dass der eingeleitete Prozess zur Verwirklichung einer umfassenden Integrierung behinderter Menschen fortgeführt wird.
Bei einem Jubiläumsfest wie diesem wird oft Bilanz über die Arbeit der vergangenen Jahre gezogen. Was seitens des Kyffhäuser Bildungswerkes in Bleicherode erreicht wurde, ist beispielgebend. Es wurde eine speziell ausgerichtete moderne Wohn- und Therapieeinrichtung geschaffen, in der die ganzheitliche individuelle Förderung der behinderten Menschen im Vordergrund steht. Die Erfahrungen und Kompetenzen in der Arbeit mit autistischen Menschen werden von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Hauses in den Dienst der gesellschaftlichen und sozialen Integration gestellt.
Sie können stolz auf Ihre Arbeit sein!
Mein Anliegen und das Anliegen des Stadtrates und der Stadtverwaltung ist es, die Lebensbedingungen von behinderten Menschen in Bleicherode zu verbessern. Außerdem sollen die Solidarität und Hilfsbereitschaft aller Bürger vor Ort weiter erhöht werden. Wir möchten die Akzeptanz von Behinderten erhöhen und diese besser in unser soziales Gefüge integrieren.
Der Sozialausschuss und der Behindertenbeirat der Stadt Bleicherode haben sich zum Ziel gestellt, die Interessen und Rechte der Behinderten aktiv zu unterstützen und ein erfülltes Zusammenleben aller Bürger von Bleicherode zu gestalten. In diesem Beirat sind gegenwärtig zehn soziale Organisationen und Einrichtungen, natürlich auch die Stadt Bleicherode, vertreten.
Hier gibt es aber noch viel zu tun. An dieser Stelle sei nur auf die weitere Umsetzung der Barrierefreiheit in allen Lebenssituationen, sei es Bauen, Verkehr, Kommunikation oder Informationstechnik, verwiesen.
Ich gratuliere dem Haus Waldschlösschen recht herzlich zum 5jährigen Geburtstag und freue ich auf eine Intensivierung unserer weiteren Zusammenarbeit.
Für die nächsten Jahre wünsche ich Ihnen allen Energie, Freude und viel Erfolg!
Ihr Frank Rostek
Bürgermeister Bleicherode
Grußwort
der Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen,
Karin Evers-Meyer,
anlässlich des 5-jährigen Jubiläums
der Wohn- und Therapiezentren für autistische Menschen
Bildquelle
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich gratuliere dem Wohn- und Therapiezentrum herzlich zum 5jährigen Bestehen! Sie haben Ihren Betrieb in spannenden Zeiten aufgenommen: Mitten in einem Prozess des Umdenkens in der deutschen Behindertenpolitik. Weg von der umfassenden Fürsorge, hin zu Selbstbestimmung und Teilhabe behinderter Menschen. Auch die kommenden Jahre und Jahrzehnte werden von diesem Umdenkungsprozess geprägt sein. Behinderte Menschen selbst haben die Politik dazu aufgefordert, diesen Prozess einzuleiten. Mit einer Reihe von Gesetzen ist die Politik dieser Forderung gefolgt.
Der Paradigmenwechsel ist auch eine Chance für Einirchtungen - gerade für so junge und offene wie die Ihre. Eine Chance, Strukturen aufzubrechen. Eine Chance, neue Leistungen auszugestalten und anzubieten. Und nicht zuletzt eine Chance für motivierte Mitarbeiter, ihre Ideen umzusetzen. Ich habe häufig Klagen von Mitarbeitern in Einrichtungen gehört, sie hätten nicht ausreichend Zeit für die Bewohner. Sie könnten auf die Wünsche der Bewohner aufgrund von Zeit- und Personalmangel nicht eingehen. Hier unterstützt der Paradigmenwechsel die Mitarbeiter. Ich halte es für unbedingt notwendig, dass Einrichtungen ihre Angebote individualisieren. Kein gemeinsames Aufstehen und Zubettgehen, sondern individuelle Versorgungsmöglichkeiten. Kein verpflichtender gemeinsamer Ausflug mit der ganzen Wohngruppe, sondern Begleitung des Einzelnen bei seinen Freizeitaktivitäten. Der Trend geht weg von Großeinrichtungen, hin zu kleinen Hausgemeinschaften und Wohngruppen. Das familiäre Zusammenleben steht im Mittelpunkt, nicht die prozessoptimierte Versorgung möglichst vieler in möglichst kurzer Zeit. Sie sind mit Ihrem Haus Waldschlösschen auf einem guten Weg.
Die Veränderungen als Chance begreifen - das muss der wesentliche Antrieb sein. Ich bin überzeugt, dass der Paradigmenwechsel die Behindertenhilfe in Deutschland belebt. Nach wie vor brauchen wir gute Einrichtungen und motivierte, kompetente Mitarbeiter, daran ändert der Paradigmenwechsel nichts. Was der Paradigmenwechsel verändert ist die Art der Arbeit - in Einrichtungen ebenso wie außerhalb. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Erfolg für Ihre wichtige Arbeit!
Herzliche Grüße
Ihre
Karin Evers-Meyer
Beauftragte der Bundesregierung
für die Belange behinderter Menschen